Gewichtheben – Überraschung zum Auftakt

Oberliga: AV 03 III gewinnt mit Geschwister-Duo Hinderberger gegen KSV Hostenbach 216,2:215,4

 

SPEYER. Mit einem überraschenden Erfolg eröffnete die dritte Mannschaft des Athletenvereins in der Oberliga Südwest die Speyerer Gewichtheber-Saison 2019/2020. Der Aufsteiger besiegte den KSV Hostenbach mit 216,2:215,4 Kilopunkte und damit 2:0 (nur in den Bundesligen werden laut Bundesverband Deutscher Gewichtheber die Disziplinen Reißen, Stoßen und Zweikampf bepunktet).

 

AV-Abteilungsleiter Frank Hinderberger war verständlicherweise sehr zufrieden: „Das ist doch was?“ meinte er schmunzelnd. Er meinte damit vermutlich auch, dass das dritte AV-Aufgebot durchaus die Möglichkeit  hat, die vierthöchste Liga „aufzumischen“. Zumal auch erfahrenere Athleten und Athletinnen für die Oberliga, in der nur vier Kämpfer/innen in die Wertung kommen, nominiert werden können.

Den Sieg sicherte sich Speyer III in der Disziplin Reißen. Hier erwies es sich von Vorteil, dass der AV mit drei Athletinnen an die Hantel gegangen war (Frauen werden in der Kilopunkt-Berechnung günstiger bewertet). Sie trugen wesentlich zum Vorsprung von 74,6:64,7 kg vor dem Stoßen bei und federten damit das mit 158,6:163,7 verlorene Stoßen ab.

Das beste Gesamtresultat für die Siegermannschaft schaffte  Katrin Horn,  mit 32 Jahre älteste AV-Heberin.  Die Wormserin schaffte bei immerhin drei Fehlversuchen (davon  zwei im Stoßen mit jeweils 68 kg) 121 Zweikampf-Kilo und damit 68,0 Kilopunkten.

Zum aussichtsreichen Hebernachwuchs des AV gehören Leni und Tim Hinderberger, die Kinder des Abteilungsleiters. Die 14-Jährige schaffte, gerade mal knapp über 90 Pfund leicht, schaffte nach je einem Fehlversuch im Reißen und Stoßen immerhin 59 Zweikampf-Kilo, ihr zwei Jahre älterer Bruder mit seinen 69 kg Körpergewicht insgesamt 147 kg (65 + 82, zwei Fehlversuche beim Reißen). Mit 17,0 Kilopunkten konnte er jedoch nichts zum Gesamtsieg beitragen, weil in der Oberliga nur vier Athleten gewertet werden und sein Resultat als niedrigstes der Speyerer gestrichen wurde. Ohne die zwei Streichresultate (bei Hostenbach traf es Julian Wilhelm) hätten die Gastgeber mit 233,2:228,4 kp gewonnen.

Bevor sie zum Sport ihrer Großcousine Christina Spindler fand, jagte Leni Hinderberger beim JFV Ganerb in Dudenhofen dem Fußball nach. Seit zweieinhalb Jahren steigt sie dreimal in der Woche beim Athletenverein „in die Eisen“, trainiert jeweils eine Stunde lang. Das tut drei- bis fünfmal wöchentlich auch ihr Bruder Tim. Er hatte zuvor beim AV gerungen und für den FC Speyer in der D-Jugend gekickt. Die aktuelle Weltmeisterschaftssiebte Patricia Strenius nennt Leni Hinderberger als Vorbild, dem bei mehreren Olympia-, WM- und EM-Wettbewerben bewährten Jürgen Spieß eifert Tim Hinderberger nach.  

Überraschungsgast im Athletenheim war Bundestrainer David Kurch. Direkt von der Weltmeisterschaft im thailändischen Pattaya nach Speyer gekommen, informierte sich der in Ziegelhausen bei Heidelberg wohnende Thüringer  nicht etwa über den Zustand der zwei Oberliga-Mannschaften. Sondern über den der Anwärter für die Europameisterschaft der U 23 vom 19. bis 26. Oktober in Bukarest.  

Auf die zwei beim Oberliga-Kampf in Speyer außer Konkurrenz startenden Athleten Padou Izere-Shima vom KSV Grünstadt und den Lörracher Moritz Huber wird er jedoch verzichten müssen. Beide schafften die Olympia-Norm ihrer Gewichtsklassen nicht. Kurchs Kommentar: „Tja, so ist Sport“. Speyers Björn Günther hatte die Norm fürs Schwergewicht schon erreicht.

 

ERGEBNISSE

 

AV 03 Speyer III: Katrin Horn (Körpergewicht 60,80 kg) Reißen 56 kg + Stoßen 65 kg = 121 kg Zweikampf = 68,0 Kilopunkte (1. der Einzel-Gesamtwertung) . –  Anna-Katharina Keil (72,70) 61 + 83 = 144 = 66,0 (2.). – Marcel Rosenberger (83,90) 95 + 124 = 219 = 51,2. – Leni Hinderberger (45,40) 26 + 33 = 59 = 31,0. – Tim Hinderberger (69,00) 65 + 79 = 147 = 17,0 (Streichresultat, da nur vier Athleten gewertet werden).

 

KSV Hostenbach: Robin Pohl (60,20) 75 + 90 = 165 = 61,0 (3.). – Fabian Reinstädtler (67,10) 85 + 102 = 187 = 60,0. – Hendrik Schmitt (74,90) 87 + 112 = 199 = 54,0. – Sven Zahler (80,30) 86 + 115 = 201 = 40,4. – Julian Wilhelm (60,80) 50 + 65 = 115 = 13,0 (Streichresultat).

 

Außer Konkurrenz (Europameisterschaftsnorm): Moritz Huber (Lörrach; 73,60)  124 + 155 = 279,2 (Norm 287 kg) = 136,0. – Padou Izere-Shima (Grünstadt; 61,90) 103 – kein gültiger Stoßversuch) 103 = (Norm 284 kg).  = 49,0.  –  wk